Von braunen Säcken, großen Monstern und Brad Pitt

BÄM, keine Stunde ist vergangen und schon taucht ein neuer Beitrag aus den unglaublichen Tiefen des digitalen Nirwanas auf. Und warum? Akuter mangel an packender TV-Unterhaltung! Also muss meine nichtmehrganzsoneue G15 drunter leiden. Was käme da passender als meine erste, eigene Filmkritik? Schließlich werd ich oft genug von Leuten zu irgendwelchem Filmen gefragt, dann kann auch gleich prophylaktisch (schweres Wort) ein paar Worte loswerden. Und der Gewinner dieser Woche heißt:

CLOVERFIELD (Obacht, Spoiler. Wer nix wissen will sollt den Absatz überspringen)


Es gibt sie also doch noch, Filme des alt-ehrwürdigen "Monster vs Welt" Genres. Wer kennt es nicht: Man saß als Kind gebannt vor der damals viel zu unscharfen Flimmerkiste und sah zu, wie ein (mutmaßlich) japanischer Schauspieler im Godzilla Kostüm ganze Plastikstädte zertritt. Mit Godzilla meine ich natürlich das fahrende Gebilde aus Austin Powers: Goldständer, was zwar aussieht wie Godzilla, aufgrund internationaler Lizenzrechte nicht wirklich Godzilla ist. Anyway, warum also das Rad neu erfinden dachte sich wohl auch J.J. Abrams und zack: geboren war Cloverfield. Die Geschichte des Films ist schnell erzählt. Unsere knappes halbes Dutzend Protagonisten feiern ausgelassen eine Party in ihrer New Yorker Szenewohnung, als plötzlich ein großes, unbekanntes Etwas in der Stadt einschlägt und dabei gleich mal etwas die Skyline von Manhattan umbaut. Aus der daraus folgenden Massenevakuierung wird ein mehr oder weniger planlose Flucht, welche quasi komplett durch eine mitgeführte Videokamera eingefangen wird, aber dazu später mehr. Während dieser Flucht passiert natürlich weiter allerlei Unheil, wodurch der Film aber endlich einiges an Fahrt aufnimmt. Nacheinander rafft es einen Hauptdarsteller nach dem anderen dahin, während unser Monster weiterhin der Menschheit zeigt, was es von ihr hält. Dann hört der Film so plötzlich auf wie er begonnen hat, ohne jedwede weitere Erklärung, womit es die Menschheit denn auf einmal zu tun hat oder ob die Bedrohung überhaupt abgewendet worden ist. Ich persönliche hasse zwar solche Cliffhanger, muss aber zugeben dass dieses Stilmittel wunderbar zum Film passt. Und wo wir grad beim Thema Stilmittel sind, das größte ist sicherlich die Art der Aufnahmen. Cloverfield wird, wie wahrscheinlich bekannt, allein durch "Amateur" Videoaufnahmen dargestellt, welche den Zuschauer quasi direkt in das Szenario des Films eintauchen lassen. Riskantes Manöver, aber wundervoll umgesetzt. Man wird jede Sekunde daran erinnert nur durch eine stinknormale Handkamera zu blicken, sprich kuriose Aufnahmewinkel, fehlende Beleuchtung, wackelndes Bild etc, aber dennoch ist alles wirklich gut zu erkennen. Respekt für diesen gelungenen Spagat. Die visuelle Umsetzung des Monsters und des gesamten Films ist ebenfalls rundum gelungen, wobei ich heutzutage auch nichts anderes mehr erwarte. Ebenso der Sound. Vom leisen Quieken einer Ratte bis zum brachialen Monstergebrüll ist alles dabei und trotz eigentlicher Mikrofonaufnahme von bester Qualität. Musikalisch bietet Cloverfield, mal abgesehen von der Partymusik am Anfang, wirklich garnix. Völlig zu recht. Dramatische Hintergrundmusik hätte wohl die ganze Atmosphäre zerstört. Entschädigt wird man dafür im Abspann, wo man eine grandiose Komposition zu hören bekommt ("Roar!" von Michael Giacchino).
Insgesamt ist Cloverfield für mich der bisher beste Film des Jahres. Zugeben, wirklich alt ist das Filmjahr noch nicht, aber dennoch setzt es sich klar vor I Am Legend und John Rambo. Wohlverbrachte 90 Minuten Kinovergnügen, trotz FSK12 Freigabe.


Und zurück zur Realität. Heut Abend war immerhin die große Einweihung des europäischen Forschungslabors auf der ISS, Columbus. Ich verfolgte gerade eine Live-Berichterstattung des Senders N-TV, seines Zeichens eigentlich die seriöse Abteilung von RTL, als mich ein ungewollt zweischneidiger Kommentar unweigerlich zum schmunzeln brachte. Erklärt wurde gerade das Innenleben der Raumstation, unterstützt durch eine tonlose Liveaufnahme des Innenraums. Der entsprechende Kommentator NTV's weißt die Zuschauer aber nun genau in dem Moment auf die "braunen Säcke" im Bild hin, als der mutmaßlich amerikanische Astronaut mit Afro-Amerikanischer-Abstammung ins Bild treibt. Timing ist nunmal alles. Erinnerte mich etwas an den One-Liner des NTV-Laufbandes am unteren Ende des Bildschirms. "Schwerer Unfall auf der französischen Autobahn , zehn Menschen und ein Franzose sterben"
Sollte sich da etwa eine Abteilung innerhalb des Senders bilden, welche noch rechts der CSU steht? Fragen über Fragen....
Zum Abschluß möchte ich hiermit nochmal kurz auf den neuen Werbespot des Telefon- und Internetanbieters Alice aufmerksam machen. In diesem ist niemand geringeres als Brad Pitt himself der Hauptdarsteller, zu sehen auf deren Internetseite. Haltet mich ruhig für einen Fanboi, aber wie zum Geier kommt dieser Graupen-ISP dazu den wohl besten Schauspieler Hollywoods zu casten?! Ich glaub ich steh im Wald...

1 Kommentar:

Unknown hat gesagt…

Abgesehen davon, dass ich deine Kritik nicht lesen wollte, da ich unwissend in den Film gehen will, gefällt mir dein neuer Blog schonmal ganz gut. Mach weiter! Dein Schreibstil gefällt =)
Vielleicht solltest du ein paar Links zu den angesprochenen Themen einfügen (z.B. der Alice Spot), dann kann man direkt nachvollziehen, wovon du schreibst.